Review


1992

Freude am gemeinsamen Musizieren

Existiert denn heute in unserer computerisierten Gschäftswelt überhaupt noch die Musik in der Familie? In Ungarn gibt es das zum Glück noch. Im als Musikmacht bekannten Ungarn sind die Musikdynastien im Strudel der Veränderungen noch immer präsent. Das Talent der Elten, ihre Kunstliebe lebt in den Kindern und Kindeskindern weiter. Von unseren bekannten Musikern stellt sich oft heraus, welch große Talente in ihren Angehörigen schlummern.

Kuhschellen zum Geburtstag

Was schenkt wohl ein wahrer Komponist seinem Musikernachwuchs zum 16. Geburtstag? Natürlich etwas, was für ihn zugeschnitten ist. Csaba Szabó widmete seinem Sohn Péter, dem mit außerordentlichem Talent begnadeten Cellisten, ein Suite für Violoncello und Kuhglocken. Ja, Sie haben richtig gelesen, für richtige Kuhglocken! Und nicht genug damit. DasStück erfordert vom Cellisten nicht nur Virtuosität, denn neben dem Betätigen der Kuhschellen muß er auch seine Singstimme unter Beweis stellen. Mit diesem schwierigen, charaktervollen, originell klingenden Stück hat er überall Erfolg.

Vater und Sohn brachten in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre die reichen Traditionen der Siebenbürger Musikkultur aus dem rumänischen Tirgu Mureş (ungarisch: Marosvásárhely) bei ihrer Übersiedlung nach Ungarn. Die komponisitorische Tätigkeit Csaba Szabós ist facettenreich, und es ist auch seinen ethnomusikologischen Sammlungen zu verdanken, daß er zum Repräsentanten der ungarischen Musik wurde. (Das Liederbuch der Csángó-Ungarn ... es handelt sich um eine Volksgruppe in /aus der Bukowina und der Moldau – ist gleichzeitig ein folkloristisches und ein Meisterwerk der Buchkunst.)

Péter Szabó erwarb seine Diplome an der Musikhochschulen von Cluj-Napoca (ungarisch: Kolozsvár) und Budapest. Am Anfang seiner Musikerlaufbahn gewann er ein Dutzend Wettbewerbe, in den Konzertsälen von drei Kontinenten stellte er sein Können unter Beweis. Für seine bei Hungaroton erschienene CD mit Werken von Ernő Dohnányi und László Lajtha sowie die Interpretation der Schöpfungen von Sándor Veress wurde ihm von der Genfer Universität der Rittertitel verliehen. Der letzte Sieger das internationalen Géza-Anda-Wettbewerbes Dénes Várjon ist sein ständiger Kammermusikpartner am Klavier. Auch die Studioaufnahmen der Cello-Klavier-Sonate von Vater Szabó aus dem Jahr 1993 stammen von den beiden jungen Künstlern. Auch dieses Werk ist „musica familiaris“, denn der Komponist Csaba Szabó hatte es erneut seinem Sohn, dem Vortragskünstler Péter Szabó gewidmet.

Péter Szabó cellist, conductor, music editor
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